Jeremias Flickschuster Jazzband

50 Jahre Jeremias Flickschuster Jazzband – ein Treibhaus niederbayerischen Kulturlebens

Was einst, in den selbst in der „kleinen Dreiflüssestadt“ wilden 60ern, als eine Skiffle Band auf selbstgebauten Krachinstrumenten, Waschbretten, Zigarrenkistenbass und schlimmen Tröten begann, hat sich nach der offiziellen Bandgründung 1965 und erst recht, nachdem der Pianist Bert Umminger zwei Jahre später die Leitung der Band übernommen hatte, schnell in Richtung einer traditionell orientierten Jazz-Bigband entwickelt, hin zum Dixie, weiter zum Swing, zu den Standards und immer weiter. Nebenher arbeiteten die Flickschusters zielstrebig daran, dass ihr Jazz nicht der einzige blieb, den man an der Donau zu hören bekam, Musiker aus der Band wirkten als treibende Kraft hinter einer Initiative, die zunächst vereinzelte Jazzkonzerte und später ein ausgewachsenes Festival in Vilshofen veranstaltete und Niederbayern an die Moderne des Jazz anschloss. Natürlich färbte das wiederum auf die Musik der Jeremias Flickschuster Jazzband ab, die Reinheitsgebote eines rein traditionellen Jazz waren schon bald Vergangenheit.

Da sind sie nun, leicht angegraut, doch agil und spielfreudig wie eh und je. Hätte es einen Jeremias Flickschuster jenseits der überquellenden Fantasie der Band je gegeben, er wäre lange vergessen, denn die Band hat ein eigenes Profil entwickelt, das quer steht zu allen stilistischen Schubladen, aber mit Spielfreude und Enthusiasmus das kleine Manko, dass es sich hier um eine Liebhaberei von Amateuren handelt in einen großen Vorsprung an Unmittelbarkeit und Charme verwandelt.

Es ist eben so manches anders bei den Flickschustern. Herkömmliche Bands kaufen Arrangements, üben die ein und treten dann damit auf. Abgesehen von den Improvisationen bleibt dabei die Kreativität der Bandmitglieder weitgehend ungenutzt auf der Strecke. Bei den Flickschustern schreibt Bert Umminger so gut wie alle Arrangements selbst. Was danach einsetzt, ist der gemeinsame Prozess, bei dem die Band nicht immer das spielt, was da steht, sondern das, was da eigentlich stehen sollte. Dieses ungebremste Musikantentum halbwegs in den Griff zu bekommen, ist ein Alptraum für jeden Bandleader, zumal das auch noch mit süffisanten Bemerkungen und mit dem traditionellen Kleinkrieg zwischen den verschiedenen Abteilungen gewürzt wird.

Wer sich aber dazu hinreißen lässt, die Ernsthaftigkeit der Band zu unterschätzen, wird spätestens dann eines besseren belehrt, wenn die krummen Taktzahlen ausgepackt werden, wenn sich Johann Sebastian Bach und Charles Mingus freundschaftlich die Hand reichen, wenn Renaissance nahtlos in Jazzrock übergeht.